aus: Österreich | vom 31.03.2009
45% mehr Einbrüche in NÖ, 200% plus in Burgenland
45 Prozent mehr Einbrüche in NÖ
Alarm: Die Zahl der Einbrüche in Einfamilienhäusern steigt enorm
Nicht nur in Wien, auch in NÖ und im Burgenland brechen immer öfter freche Diebe ein.
NÖ. Leider spricht die Statistik aus, was sich viele schon seit Monaten denken: Es wird immer mehr eingebrochen. Im Fall von Niederösterreich sind die Vergleichszahlender ersten beiden Monate zum Vorjahr wirklich erschreckend.Denn die Zahl der Wohnungseinbrüche stieg um 28 Prozent (von 131 auf 168). Noch dramatischer jedoch der Anstieg bei Einfamilienhäusern. Hier gibt es ein Plus von satten 45,2 Prozent (von 502 auf 729 Fälle).
200 Prozent plus im Burgenland. Noch ärger ist es im Burgenland. Die Anzahl der Wohnungseinbrüche stieg dort um 200 (!) Prozent, die Zahl der ausgeräumten Häuser schnellten um 53 Prozent in die Höhe.
Mehr Polizei. Seit Monaten wird auch in NÖ wieder mehr Polizei gefordert. Eine erst kürzlich präsentierte Studie in Wiener Neustadt zeigte deutlich, dass das Sicherheitsbedürfnis der Bewohner immer höher wird. Innenministerin Maria Fekter hat aber erst 50 zusätzliche Polizisten zugesichert – für ganz NÖ, wohl gemerkt.
Von dem heftigen Anstieg der Einbrüche ist übrigens fast nur der Osten Österreichs betroffen.
aus: DiePresse.com | Panorama | Wien | vom 29.03.2009
Hauseinbrüche: 100 Prozent Anstieg
29.03.2009 | 18:06 | KLAUS STÖGER (Die Presse)
532 Einbrüche in Einfamilien-Häuser in Wien im heurigen Jänner und Februar. Speziell die Bezirke Favoriten, Liesing und Donaustadt sind ein Dorado für Täter.
"Der Hauseinbruch ist heuer in den ersten beiden Monaten ganz stark angestiegen. Das ist wirklich eklatant." Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl verhehlt im Gespräch mit der „Presse“ nicht, dass die Exekutive seit zumindest zwei Monaten ein gehöriges Problem hat. Von 1.Jänner bis 28.Februar dieses Jahres verzeichnete die Polizei in ganz Wien 532 Einbrüche in Einfamilienhäuser. In den Monaten Jänner und Februar 2008 waren es 266 Delikte. Somit gab in den ersten beiden Monaten dieses Jahres exakt doppelt so viele Einbrüche wie im Jänner und Februar 2008.
Besonders stark betroffen sind derzeit die Bezirke Donaustadt und Liesing. Im 22. Bezirk wurden 152 Häuser geknackt, somit kommen zehn Einbrüche auf 10.000 Einwohner. Im 23. Bezirk stiegen Täter in 101 Wohnhäuser ein, es kommen elf Einbrüche auf 10.000 Einwohner. In Hietzing, wo im Bezirksteil Speising seit mittlerweile zwei Jahren die Bürgerinitiative „proNachbar“ in Zusammenarbeit mit der Polizei für mehr Sicherheit sorgt, sind es sieben. In den westlichen Außenbezirken Penzing und Ottakring gab es hingegen nur einen relativ geringen Anstieg. In Hernals und Währing sogar leichte Rückgänge an Wohnhauseinbrüchen. Den höchsten Anstieg verzeichnet die Polizei aber in Favoriten. Im zehnten Bezirk wurden in den ersten 59 Tagen dieses Jahres 62 Einbrüche in Einfamilienhäuser registriert. Im selben Zeitraum 2008 waren es lediglich zwölf. Über die Ursachen des Anstiegs an Wohnhauseinbrüchen kann Polizeichef Pürstl derzeit nicht viel sagen. „Die Zeit für Analysen ist noch zu kurz.“ Allerdings spiele sicher das Phänomen der Dämmerungseinbrüche mit. Von Oktober bis März wähnen sich Einbrecher im Schutz der Dämmerung sicher. Sie steigen in Häuser ein, wenn die Bewohner noch bei der Arbeit oder nach der Arbeit in Einkaufszentren sind. Kripoexperten weisen darauf hin, dass besonders Häuser und Siedlungen gefährdet sind, die in der Nähe von hochrangigen Straßen stehen. Das würde auch erklären, dass der 23. Bezirk zwischen Süd- und Außenringautobahn besonders belastet ist.
Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit hofft die Exekutive, dass die Einbruchszahlen wieder zurückgehen. Dennoch will Pürstl den Kontrolldruck in den nächsten Wochen steigern. Schwerpunktaktionen sollen potenzielle Täter verunsichern. Für die Exekutive ist aber klar, dass sich Hausbesitzer selbst um einen vernünftigen Schutz ihres Eigenheimes kümmern müssen. „Wir sehen, dass in Zeiten, in denen wenig passiert, die Bereitschaft für Vorsorgemaßnahmen relativ gering ist“, meint Pürstl.
Opfer mehrfach belastet
Nicht zuletzt aufgrund der jetzigen Einbruchswelle starteten Polizei und Rathaus Sicherheitsveranstaltungen in allen Bezirken. Dort wird über die Möglichkeiten für Einbruchsschutz und finanzielle Unterstützungen dafür informiert. „Natürlich stört es die Leute, wenn sie ihr eigenes Geld investieren müssen, um ihr Haus einbruchssicher zu machen“, sagt Karl Brunnbauer. Er ist Initiator von „proNachbar“. In Speising unterstützt die Organisation die Polizei, indem Bewohner verdächtige Wahrnehmungen melden, sich untereinander vernetzen und Tipps zur Prävention weitergeben. Mit der Polizei steht die Initiative in ständigem Informationsaustausch. „Wenn man mit Wohnungsbesitzern spricht, wissen die meisten ja gar nicht, wie sie sich effektiv schützen können“, berichtet Brunnbauer.
Die Psychologin Susanne Schubert-Lustig arbeitet mit Menschen, die Opfer von Einbrüchen geworden sind. „Abseits der Einbruchszahlen merke auch ich, dass die Unsicherheit steigt“, meint die Psychologin. „Zu mir kommen Opfer, die sagen, ich habe nicht daran gedacht, mich einfach nicht darum gekümmert, mein Haus besser zu schützen – oder ich habe es halt nicht gewusst. Durch diese Schuldgefühle sind diese Menschen mehrfach belastet“, so Schubert-Lustig.
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Leserbrief aus: Die Krone vom 5. März 2009
„600 Einbrüche an einem Tag in Wien…“
600 Einbrüche in Wien innerhalb von 72 Stunden – so geschehen um den 3.3.2009 in Wien – das weiß die Wiener Polizei! Sicherheit stellt ein wesentliches Grundbedürfnis der Menschen dar, unabhängig davon, in welchem Jahrhundert sie leben, in welcher Gesellschaftsform, ob in der Stadt oder auf dem Land.
Den Politikern in Wien und Österreich scheint der Bezug zum Grundbedürfnis Sicherheit ihrer Mitbürger allerdings abhanden gekommen zu sein, nicht erst in Zeiten der (Welt-)Wirtschaftskrise. Wien und seine Umgebung sind keineswegs mehr so l(i)ebenswert, wie es bisher gewesen sein mag: Überfälle auf Banken, Geschäfte und vor allem Einbrüche in Wohnungen und Häuser gehören laut Polizei heute schon zum normalen Lebensrisiko in unserem Land. Nach eigener Aussage von Polizisten, die den Einbrechern nur noch hinterherhecheln können, ist die Polizei insgesamt kaum mehr in der Lage, die Sicherheit im Lande entsprechend zu gewährleisten. Es fehlt schlicht an der Präsenz in der Öffentlichkeit. Seit Jahren wird gespart, in Wien ist man nicht imstande, sich zu einer Stadtpolizei aufzuraffen, es herrscht jahrelanger Sparkurs, die Bürger werden über den wahren Zustand im Unklaren gelassen und über Statistiken belogen. Die Medien berichten immer wieder über den Zustand, sind aber selbst zu wenig aggressiv, um Änderungen erzwingen zu können. Selbsthilfegruppen bemühen sich redlich, uns alle aufzurütteln und gegenseitig aufeinander zu schauen, die Situation liegt scheinbar immer noch unter der Schmerzgrenze der Bürger, sonst wären alle viel aktiver, und es gäbe Aktionen anstelle von Diskussionen (und manchmal nicht einmal die).
So sind wir weiterhin ein Selbstbedienungsladen für organisierte Banden aus allen möglichen Ländern, auch aus dem Inland, und regen uns an der Bassena darüber auf. Sicherheit ist immer noch – heute mehr denn je – ein Grundbedürfnis der Menschen. Wer Sicherheit nicht gewährleisten kann, darf sich über „Selbstbewaffnung“ und Anarchie nicht wundern.
Robert Springer, Wien
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aus: Die Presse vom 13. Februar 2009
Mehr Einbrüche, mehr Opferhilfe
12.02.2009 | 18:21 | KLAUS STÖGER (Die Presse)
Die Opferhilfe schlägt Alarm: Immer öfter ist psychologische Hilfe notwendig. In Wien gibt es ein Plus von 5,1 Prozent.
WIEN. Die erste Kriminalstatistik des neuen Jahres wartet mit keinen positiven Zahlen auf. Im Vergleich zum Jänner des Vorjahres stiegen österreichweit die Anzeigen nach strafrechtlichen Delikten im Jänner 2009 um 7,1 Prozent oder knapp 3000 Fälle.
In Wien gibt es ein Plus von 5,1 Prozent. Nach wie vor nicht zu stoppen scheint der Bereich Sachbeschädigung: Die angezeigten Fälle stiegen um 21,1 Prozent. Das sind knapp 400 Taten. Im Gegensatz zu den vergangenen Monaten weist die Wiener Kriminalstatistik jetzt auch wieder einen Anstieg bei Einbrüchen in Einfamilienhäusern und Wohnungen auf. Bei Einfamilienhäusern gab es eine Zunahme um 17,5 Prozent, bei Wohnungen um 5,6 Prozent.
Aufgrund dieser Entwicklung kündigte die Wiener Polizei an, die Präventionsmaßnahmen zu verstärken und in den Planungen von Streifen flexibler zu reagieren. Einbrüche in Wohnungen und Häuser sind für die Opfer besonders schlimm: Immerhin ist die Privatsphäre direkt betroffen. Ein Bereich, der für viele als „sicheres Rückzugsgebiet“ gesehen wird. Depressionen und Angstzustände sind oft die Folge. Beim „Weißen Ring“, einer Einrichtung, die Verbrechensopfern psychologische und juristische Hilfe anbietet, berichten Mitarbeiter von einer „steigenden Tendenz“ von Einbruchsopfern, die Hilfe und Beistand suchen.
Über Zahlen möchte Geschäftsführerin Marianne Gammer zwar nicht reden, sie bestätigt aber, dass immer mehr Verbrechensopfer psychologische Beratung in Anspruch nehmen. Aus einer internen Statistik des „Weißen Rings“ geht hervor, dass im ersten Halbjahr 2008 nicht weniger als 2500 Opfer (65 Prozent von ihnen sind Frauen) professionelle Hilfe benötigt haben – ein Plus von 40Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2007.
Ältere Opfer leiden besonders
„Wohnungseinbrüche sind vor allem für ältere Menschen sehr belastend“, berichtet Gammer. In den meisten Fällen stehlen die Täter neben Geld, das in der Wohnung verwahrt wurde, Schmuckstücke. Auch wenn diese nicht besonders wertvoll seien, haben sie für die älteren Opfer einen ideellen Wert. „Wenn der Ehering vom verstorbenen Partner oder andere Erinnerungsstücke darunter sind, bricht für viele eine Welt zusammen“, erklärt Gammer.
Jüngere Opfer würden sich nicht selten überlegen, nach einem Einbruch eine andere Wohnung zu nehmen. Durch eine neue (und besser gesicherte) Umgebung hoffen sie, die Tat schneller vergessen zu können. Für ältere Einbruchsopfer sei dies, so Gammer, aber in den meisten Fällen unmöglich. Für Pensionisten, die oft schon 40oder 50 Jahre in derselben Wohnung leben, sei ein Umzug nicht einfach. Jedenfalls sei das Ziel der Hilfe für alle Verbrechensopfer, die durch Einbrüche oder Überfälle entstandenen Ängste wieder in den Griff zu bekommen. Gammer bestätigt, dass bei Prozessen auch immer öfter „psychische Schmerzen“ als Folge der Tat anerkannt werden.
Aber nicht nur der „Weiße Ring“ spricht von einer Steigerung der Beratungstätigkeit: Laut Polizei gebe es seit der Jahreswende auch ein verstärktes Interesse an der Kriminalpolizeilichen Präventionsberatung.